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Tipps und Tricks

one laptop per child…

Bildung ist unser wichtigster Rohstoff und mutige Unternehmer die Stütze der Wirtschaft und einer erfolgreichen Gesellschaft. Digitale Souveränität muss daher schon in der Schule beginnen.

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen noch an die Initiative One Laptop per Child des MIT-Professor Nicholas Negroponte.

Sie hatte die Zielsetzung den Computer zu einer freien Wissensdatenbank und zu einem kindgerechten und vielseitigen Lernwerkzeug für die Schule umzugestalten und zusätzlich den Zugang zu modernem Wissen über digitalisierte, vielfältige Medien aller Art zu ermöglichen. Dabei wurde die Verwendung von freier Software und eine finanzielle Zielmarke von ca. 100 $ pro Notebook incl. Internetanschluss angestrebt.

Klingt nach einem ambitionierten, sinnvollen und zukunftsträchtigen Projekt – oder?

Investitionen in Deutschland

Heute – ca. 20 Jahre später – ist die Umsetzung dieser Ziele in dem Industrieland Deutschland – und nicht in Entwicklungs- und Schwellenländer die damals im Focus des Projekts lagen – dringender den je.

Wenn man die geplanten Investitionsvolumen des Digitalpakts und der Coronahilfe von mehreren Milliarden Euro mit unseren Schülerzahlen ins Verhältnis setzt, sind damit grob eine Größenordnung von ca. 200 – 350 € / Schülerlaptop möglich.

Eine der Stärken der Industrienation Deutschland ist die Etablierung und Durchsetzung von Standards. DIN-Normen erlauben z.B. das eine Produktidee auf konfektionierte und erprobte Elemente zurückgreifen kann.
Genau diese Standardisierung wird im Bereich Software und Schule stark vernachlässigt. Viele – mir sinnvoll erscheinende – Anforderungen werden dabei nicht berücksichtigt.:

Ist es möglich…

  • für 150 € einen Computer für Schüler (und Lehrer) zu realisieren?
  • standardisierte Bildungssoftware zu entwickeln, die auf diesen Geräten läuft?
  • diesen Computer so nachhaltig zu bauen, das Komponenten modernisiert und eine Lebensdauer von 10 Jahren erreicht werden kann?
  • das diese Computer den Schüler in seinen kompletten Schulwerdegangs begleiten kann?
  • diesen Computer in Europa zu bauen?

Unser derzeitiger Weg

Wir beschreiben nicht was wir brauchen, sondern wir delegieren die Beschaffung an die Sachaufwandsträger, die faktisch keine übergeordneten Ziele verfolgen können. Auf dieser Ebene ist man aber nur in der Lage, Produkte die bereits heute in großem Maße eingesetzt werden nämlich Betriebssysteme, Office-Programme sowie die dazu passende Hardware von größtenteils amerikanischen und chinesischen Herstellern zu beschaffen. Damit verschenken wir nicht nur die gestalterische Kraft des möglichen Einkaufsvolumen sondern auch die digitale Souveränität im Bildungsbereich.

Mit diesem Vorgehen beschränkt sich die Wertschöpfung in Deutschland mehr oder weniger auf einen dezentralen und unkoordinierten Einkaufsprozess. Gefördert wird dagegen die Entwicklung, Herstellung und Programmierung in China und USA.

Wir werden nun mehrere Milliarden Euro ausgeben, um diese Abhängigkeit zu zementieren und keine intellektuelle Anstrengung unternehmen, um eigene – für uns passende – Wege zu definieren und zu gehen.
Wir werden in der Schule „User“ erziehen – und keine „Macher“ die später eigene Tec-Firmen gründen und Mitarbeiter einstellen.

Natürlich birgt ein Kauf deren Produkte das Versprechen, das etwas funktioniert, das es „smart“ ist – aber es ist auch ein Schritt zu mehr Abhängigkeit. Viele Programme und Daten besitzen wir gar nicht mehr, sondern dürfen wir sie nur noch verwenden. (Haben Sie schon mal die AGB’s von Office 365 gelesen?)

Gibt es Alternativen?

Natürlich gibt es Alternativen – wenn man will. Allerdings muss man sich „bewegen“ will man nicht jede der folgenden Fragen mit „JA“ beantworten.

  • Braucht ein Schüler ein Microsoft oder Google Konto um einer Videokonferenz zu folgen?
  • Ist es notwendig, jeden Text mit Microsoft Word zu schreiben?
  • Ist eine Präsentation automatisch eine „Powerpoint“ Präsentation?
  • Kann ein Laptop nur mit Windows betrieben werden?
  • Ist das Apple I-Pad das einzig sinnvolle für Grundschulen und muss das so bleiben?
  • Muss jedes IT-Gerät, das wir kaufen, außerhalb von Europa konzipiert und gefertigt sein?

Auf der Liste der wertvollsten Unternehmen stehen auf den ersten Plätzen amerikanische und chinesische Tech-Firmen. Europäische Adressen rangieren weit dahinter. Bei diesen großen IT-Playern, denen Zukunftsfähigkeit und eine große gestalterische Kraft zugetraut um sehr, sehr viel Geld zu verdienen, sind keine deutschen Adressen dabei.

Wenn wir in Zukunft technologisch und wohlstandsmäßig weiterhin vorne mitspielen wollen, ist es notwendig einen eigenen deutschen oder europäischen Weg zu entwerfen und digitale Souveränität schon in der Schule beginnen zu lassen.

Viele Länder, öffentliche Einrichtungen und Firmen sind bereits voran gegangen und haben Lösungen und wichtige Bausteine einer auf Open Source basierenden Infrastruktur gebaut, gepflegt und erfolgreich in Betrieb genommen.

Fazit

Wenn keine maßgeblichen Weichenstellungen erfolgen, verspielen wir zunehmend unsere digitale Souveränität mit der derzeitigen Ausprägung des Digitalpakts Deutschlands. Obwohl viel Geld ausgegeben wird, finden nicht genug nachhaltige Verbesserungen statt.

Insbesondere wenn man, zeitlich gesehen, weiter denkt – die Corona Krise ist verglichen mit der kommenden Klima Krise ja nur ein laues Lüftchen zu einem herannahenden Sturm – müssen wir unsere zunehmend knapperen Ressourcen nachhaltig und fokussiert einsetzen.

Bildung ist schließlich unser wichtigster Rohstoff und mutige Unternehmer die Stütze der Wirtschaft und einer erfolgreichen Gesellschaft. Zukünftig werden wohl eher digitale Ideen als der Verbrennungsmotor das Zugpferd unserer Wirtschaft und Garant unseres Wohlstands sein.

Lasst uns unsere Kinder darauf vorbereiten!

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